Video · 28. Oktober 2026 · 10 Min. Lesezeit

Claude Code Desktop App: alle neuen Funktionen erklärt

Projekte mit Threads, Nebenchats, Split View und neue Slash-Befehle: So nutzt du die neue Claude Code Desktop App, auch wenn du nicht programmierst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Projekte bündeln deine Arbeit in einem Gespräch: Ein Koordinator verteilt die Aufgaben auf Threads, die in der Cloud laufen und ein gemeinsames Gedächtnis teilen. Die Beta läuft aktuell für Pro und Max, Team und Enterprise kommen später.
  • Nebenchats lesen den Hauptchat bis zu diesem Punkt mit, schreiben aber nichts in ihn hinein. Du öffnest sie mit /btw.
  • In der geteilten Ansicht hast du mehrere Chats gleichzeitig auf dem Bildschirm, statt ständig hin und her zu springen.
  • /doctor prüft dein Setup samt CLAUDE.md, /output-style steuert den Antwortstil und /advisor holt sich an wichtigen Stellen Rat bei einem stärkeren Modell.

Anthropic hat die Claude Code Desktop App stark umgebaut, und ich nenne das Ganze für mich einfach Claude 2.0: Es gibt jetzt Projekte, in denen ein Hauptchat als Koordinator mehrere Threads steuert, Nebenchats für Zwischenfragen, eine geteilte Ansicht für mehrere Chats, neue Karten neben dem Chat, neue Slash-Befehle wie /output-style, /doctor und /advisor. Wenn du heute noch mit Cowork oder im Terminal arbeitest, lohnt sich der Wechsel in den Code-Tab, und zwar auch dann, wenn du gar nicht programmierst. In diesem Artikel gehe ich jede Funktion einzeln durch, so wie im Video oben.

Warum solltest du von Cowork zum Claude Code Tab wechseln?

Ich muss ehrlich sagen, bis vor Kurzem habe ich selbst meistens VS Code mit dem Terminal oder Claude Cowork genutzt, weil ich mich an das Layout gewöhnt hatte. Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass du ernsthaft über den Wechsel in den Claude Code Tab nachdenken solltest. Das hat für mich drei Gründe: Erstens ist das Layout deutlich besser geworden. Zweitens scheint Anthropic neue Funktionen zuerst genau dort zu veröffentlichen. Und drittens bringt die neue Oberfläche mehrere Funktionen zusammen, die ich im Alltag nützlich finde.

Für alle, die noch zögern: Claude Code ist keineswegs nur für Programmierer. Im Hintergrund ist es aus meiner Sicht im Grunde dasselbe Werkzeug wie Cowork, nur mit deutlich mehr Möglichkeiten. Claude Code arbeitet mit den Dateien im gewählten Projektordner, kann dort je nach Berechtigungsmodus Befehle ausführen und bekommt jetzt all die Funktionen, die ich dir unten zeige. Mit dem neuen Layout wirkt das Ganze auch viel weniger einschüchternd.

Was hat sich an der Seitenleiste und den Karten geändert?

Einer der Hauptgründe, warum ich früher gerne in Cowork gearbeitet habe, war die Seitenleiste. Dort hattest du einen klaren Überblick über die To-do-Liste von Claude und über alle Konnektoren, Skills und Dateien eines Chats. Claude Code bietet dir jetzt genau dasselbe und sogar noch etwas mehr.

Wenn Claude bei mir einen Plan erstellt, bekomme ich die To-do-Liste direkt im Chat und kann zusehen, wie die einzelnen Aufgaben abgehakt werden. Neben dem Chat sitzt laut der Doku zur Desktop App jetzt ein Satz Karten, der zeigt, wo die Sitzung läuft, was sie geändert hat, was gerade läuft und wie voll der Kontext ist:

  • Environment-Karte: Hier siehst du, in welchem Ordner ein Chat läuft und ob es ein lokaler Chat oder ein Chat in der Cloud ist. Dort sitzt auch der Schalter für Remote Control.
  • Remote Control: Damit kannst du eine lokale Sitzung auch von einem anderen Gerät aus weiterführen.
  • Kontext-Karte: Sie zeigt in Prozent, wie voll dein Kontextfenster ist, und klappt auf, was genau den Platz belegt. Bei mir gibt es dort auch eine Abkürzung zum Komprimieren. Komprimieren heißt, Claude fasst den bisherigen Chat zusammen, damit wieder Platz frei wird und die Leistung hoch bleibt. Im Chat geht das auch mit /compact.
  • Änderungen und laufende Prozesse: Weitere Karten zeigen dir, was die Sitzung geändert hat und was gerade noch läuft.

Die Seitenleiste listet deine Sitzungen und lässt dich mehrere davon parallel ausführen. Für mich ist das praktischer, weil ich laufende und ältere Chats dadurch schneller wiederfinde.

Wie funktionieren Projekte und Threads in Claude Code?

Das ist wahrscheinlich meine Lieblingsfunktion. Das Prinzip ist simpel: Ein Hauptchat arbeitet als Koordinator und startet andere Chats in sich, die Threads. Diese Threads erledigen die Arbeit, melden sich zurück und der Koordinator behält den Überblick. Statt selbst fünf Chats zu verwalten, sprichst du also mit einem Koordinator, der ein kleines Team für dich leitet.

Anthropic beschreibt das im Blogpost zu den neuen Projekten so: Projekte haben Threads, die die Arbeit machen, und einen Koordinator, der sie steuert. Jeder Thread läuft als Cloud-Sitzung in Claude Code, und jeder Thread trägt zu einem gemeinsamen Gedächtnis bei und schöpft daraus. Weil die Threads in der Cloud laufen, arbeitet das Projekt auch weiter, wenn du dich von deinem Computer entfernst. Laut Anthropic sollen sie später auch lokal auf deinem Rechner laufen können, das ist aber noch nicht da.

Ein Beispiel aus meinem Alltag: Wenn ich ein YouTube-Video vorbereite, habe ich normalerweise einen Chat für Thumbnails und Titel, einen für die Gliederung und einen für die visuellen Elemente und den Schnitt. Das Problem bisher war, dass diese Chats nichts voneinander wussten. Eine Änderung in der Gliederung hätte Auswirkungen auf den Titel haben müssen, aber der Titel-Chat hat davon nichts mitbekommen. Also habe ich ständig zwischen Sitzungen gewechselt, und wenn ich alles in einem einzigen Chat gemacht habe, war das Kontextfenster schnell voll und die Qualität ging runter.

Mit einem Projekt starte ich einfach neu und spreche mit dem Koordinator. Der legt einen Thread für Thumbnails und Titel an, einen für die Gliederung und einen für Schnitt und Visuals. Ich kann vom Hauptchat aus an allem weiterarbeiten oder direkt in einem einzelnen Thread iterieren, und der Koordinator weiß trotzdem jederzeit, wo jeder Thread gerade steht.

Und was ist mit Subagents?

Die gibt es weiterhin, und laut Anthropic kann jeder Thread seine Arbeit selbst wieder mit Subagents, Loops und Workflows aufteilen. Du bekommst also im Grunde eine zusätzliche Ebene obendrüber. Der große Unterschied: Mit einem Subagent kannst du nicht direkt hin und her arbeiten, mit einem Thread schon.

Wer bekommt Projekte schon?

Die Beta ist laut Anthropic seit dem 27. Oktober 2026 für ausgewählte Pro- und Max-Kunden verfügbar, die Cloud-Sitzungen in Claude Code nutzen. Team und Enterprise sollen laut Anthropic später folgen. Anthropic rollt das langsam aus, deshalb kann es bei dir anders aussehen als bei mir.

Wenn Projekte für dich noch nicht verfügbar sind, warte auf den Rollout oder nutze mehrere Sitzungen parallel.

Was bringen dir die Nebenchats?

Wenn du Claude schon für längere Aufgaben genutzt hast, kennst du das: Claude ist bei der Hälfte seiner To-do-Liste, du hast eine Frage, willst Claude aber weder unterbrechen noch aus dem Konzept bringen. Dafür gibt es jetzt Nebenchats.

Über Side Chats stellst du eine Zwischenfrage, ohne den laufenden Chat aus dem Konzept zu bringen. Du öffnest sie mit /btw im Eingabefeld. Jeder Nebenchat liest den gesamten Hauptchat bis zu diesem Punkt mit. Du kannst also fragen, was Claude gerade macht, wie lange es noch dauern könnte, oder ihn die bisherige Arbeit prüfen lassen. Laut Doku schreibt der Nebenchat dabei nichts zurück in den Hauptchat, deine Zwischenfragen landen also nie im Hauptkontext.

Mein Lieblingseinsatz: Ich lasse Opus 5.5 die Hauptarbeit machen und öffne dann einen Nebenchat mit Fable 5.1, der das Ergebnis noch einmal für mich prüft.

Wie öffnest du mehrere Chats in der geteilten Ansicht?

Die geteilte Ansicht, auf Englisch Split View, beendet das lästige Hin und Her zwischen Chats. In der geteilten Ansicht kannst du mehrere Bereiche wie Chat, Diff, Browser und Terminal gleichzeitig anordnen. Das hilft mir, wenn ich an mehreren Aufgaben gleichzeitig sitze.

Was können Docs, Slides, Design, Dashboards und Motion?

Diese Funktionen sind nicht ganz neu, aber so nützlich, dass sie hier reingehören. Anthropic baut im Grunde sein eigenes Google Docs, Google Slides, ein Design-Werkzeug, ein Dashboard-Tool und ein Tool für Animationen direkt in Claude ein. Alles läuft in Artefakten, einer Art Leinwand, auf der du Inhalte bearbeitest und über Kommentare gemeinsam mit Claude daran arbeitest. Laut der Artefakte-Seite von Claude bleibt jedes Artefakt privat, bis du es per Link teilst.

  • Docs: Dokumente, die du mit Claude und deinem Team gleichzeitig schreibst, mit Kommentaren von Claude und von deinen Kollegen.
  • Slides: Präsentationen aus einer Datei oder einem Gespräch, die du als PowerPoint, Google Slides oder PDF exportierst.
  • Design: Läuft jetzt in jedem Gespräch, auch in Claude Code. Für mich ist das so ähnlich wie Figma: Texte ändern, Kommentare hinterlassen und Claude Korrekturen machen lassen, ob für Social Media oder Websites.
  • Dashboards: Ziehen Live-Daten aus deinen Konnektoren und zeigen zu jedem Diagramm die Abfrage und wann es zuletzt aktualisiert wurde. Aktuell als Beta in den bezahlten Tarifen.
  • Motion: Claude schreibt Code, der Texte, Diagramme, Formen und Bilder animiert, ohne schweres KI-Videomodell. Den Code kannst du weiter bearbeiten, und das Ergebnis lädst du als MP4 herunter. Aktuell als Beta nur für Team und Enterprise.

Docs, Slides und Design gibt es laut Anthropic in allen Tarifen, sogar im kostenlosen.

Welche neuen Slash-Befehle gibt es?

Drei neue Befehle nutze ich inzwischen regelmäßig. Alle stehen in der Befehlsübersicht von Claude Code.

/output-style

Mit /output-style steuerst du, wie Claude antwortet. Wenn dir die Antworten zu technisch sind, nutzt du dafür /output-style. Das ist so ähnlich wie der Caveman-Skill, bloß jetzt fest eingebaut.

/doctor

Viele Leute haben veraltete CLAUDE.md-Dateien oder Skills. /doctor macht laut Doku einen Check deines Setups, also Installation, Einstellungen, Erweiterungen und CLAUDE.md, und schlägt Korrekturen vor, die Claude nach deiner Bestätigung umsetzt. Bei mir hat der Check viele Dateien und Probleme in meinem Setup gefunden.

/advisor

Mit /advisor holt sich ein günstigeres Hauptmodell wie Sonnet oder Haiku an wichtigen Stellen Rat bei einem stärkeren Modell wie Opus 5.5 oder Fable 5.1. Laut der Doku zum Advisor entscheidet Claude selbst, wann es fragt, typischerweise bevor es sich auf einen Weg festlegt, wenn ein Fehler immer wieder auftaucht oder bevor es eine Aufgabe als fertig meldet. So bekommst du die Einschätzung des stärkeren Modells genau dort, wo es darauf ankommt, ohne es die ganze Zeit zu bezahlen oder ständig das Modell zu wechseln. Wichtig: Der Advisor ist noch experimentell, und seine Tokens zählen zusätzlich zu deinem Verbrauch.

Wenn du die Funktionen gemeinsam mit anderen ausprobieren willst, findest du den KI Agenten Club.

Häufige Fragen

Ist Claude 2.0 ein offizieller Name?

Nein, Claude 2.0 ist mein Name für das große Update der Claude Code Desktop App. Anthropic selbst spricht von der neuen Desktop App und von den neu gestalteten Projekten.

Brauche ich Programmierkenntnisse für Claude Code?

Nein. Claude Code arbeitet mit den Dateien im gewählten Projektordner, aber du steuerst alles in normaler Sprache. Mit dem neuen Layout ist der Einstieg deutlich leichter als im Terminal.

Welche Tarife bekommen Projekte mit Threads?

Die Beta läuft für ausgewählte Pro- und Max-Kunden, die Cloud-Sitzungen in Claude Code nutzen. Team und Enterprise sollen laut Anthropic später folgen. Bis dahin kannst du mehrere Sitzungen parallel nutzen.

Was ist der Unterschied zwischen Nebenchat und Thread?

Ein Nebenchat ist für Zwischenfragen da: Er liest den Hauptchat mit, schreibt aber nichts zurück. Ein Thread ist ein eigener Arbeitschat in einem Projekt, den der Koordinator steuert und der zum gemeinsamen Gedächtnis beiträgt.

Kosten die neuen Befehle zusätzliche Tokens?

/doctor prüft dein Setup und schlägt Korrekturen vor, die Claude erst nach deiner Bestätigung umsetzt. Beim Advisor zählen laut Doku die Tokens des stärkeren Modells zusätzlich zu deinem Verbrauch.

Fazit

Die neue Claude Code Desktop App ist für mich der Punkt, an dem sich der Wechsel aus Cowork oder dem Terminal wirklich lohnt. Fang mit der Seitenleiste und den Nebenchats an, weil die sofort Ordnung bringen. Danach lohnen sich vor allem Projekte mit Threads für größere Vorhaben und ein Durchlauf mit /doctor, um dein Setup aufzuräumen. Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du den KI Agenten Club.

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